Fast jeder kennt einen Menschen, der nach einem einschneidenden Erlebnis verbittert ist. Bei manchen entwickelt sich daraus eine seelische Störung Das wird ja alles doch nichts! Niedergeschlagenheit schlägt manchmal zu sehr aufs Gemüt Ist ein notorisch verbitterter Mensch krank? Ein deutscher Wissenschaftler sieht das so: Dr. Michael Linden von der Berliner BFA-Klinik Seehof hat 2003 in der Fachzeitschrift „Psychotherapy and Psychosomatics“ die so genannte Posttraumatische Verbitterungsstörung (englisch: posttraumatic embitterment disorder – abgekürzt PTED beschrieben und von anderen seelischen Störungen wie Depressionen oder Angststörungen klar abgegrenzt. Es handle sich um eine Anpassungsstörung, ausgelöst durch unangenehme Erlebnisse wie Arbeitslosigkeit, Mobbing oder Trennung. Häufig seien auch Jugendliche mit Schulproblemen betroffen.
Laut Dr. Linden überwiegt bei PTED-Patienten das Gefühl, ungerecht behandelt und benachteiligt worden zu sein. Hinzu käme nicht selten der Wunsch nach Rache. Typische Symptome seien ferner Antriebsmangel, Schlafstörungen, Agressionen, Melancholie und das Zurückweisen von Hilfsangeboten. Häufig würden Selbstmordgedanken und Gefühle der Hilflosigkeit formuliert. In der Regel dauere die Verbitterungsstörung länger als drei Monate an und gehe mit stark eingeschränkten Alltagsaktivitäten einher.
Im Gegensatz zu vielen anderen seelischen Störungen lässt sich eine Verbitterungsstörung laut Aussage des Berliner Arztes gut therapieren. Mit Hilfe einer Psychotherapie – meist im Rahmen eines Klinikaufenthaltes – gelänge es, die immer wiederkehrenden aufdringlichen Erinnerungen an das unangenehme Ereignis neu zu bewerten und seltener werden zu lassen. Die meisten Patienten seien anschließend wieder in der Lage, ins Alltagsleben zurückzukehren. Quelle und Text: GesundheitPro; 27.09.2005 |